Donnerstag, 31. Januar 2008

KM 1182 - Wann fahr ich eigentlich mal wieder richtig Fahrrad?

Hier noch ein kleiner Nachtrag, ein Minnesang auf meine liebsten Mitreisenden, die sich inzwischen richtig in Afrika befinden, irgendwo zwischen Rotem Meer und dem Niltal, wo in ein paar Tagen Stefanos Eltern eintreffen werden, um eine verlockende Nilkreuzfahrt mit den beiden zu geniessen.
Danach geht die Reise fuer die beiden dann in den Sudan weiter, 850km bis Khartoum, wovon nen Viertel Sandpiste sein soll. Es gibt besser ausgebaute Strecken (Donau-Radweg), aber durch die nordudanesische Wueste zu gondeln, mit laechelnden, nicht von Touris verdorbenen Menschen um sich herum, ohneVerkehr (und mit wenig Wasser...), ist wohl ein einpraegsames Erlebnis. Die beiden hatten mich gefragt, ob ich nicht mitkommen moechte, aber die Kosten und der Zeitaufwand waren mir doch zu hoch. Zurueck zum Bild.
Ja, das war er also, mein Geburtstagsmorgen. Fern ab von aller Welt kam man mir ploetzlich franzoesisch-italiensicher Geburtstagssingsang entgegen, dazu wurde mit jenes schoene Geschenk ueberreicht, mit dem ich jeden Zoellner in Zukunft von der Gutartigkeit meiner Absichten ueberzeugen koennen wuerde: Eine grandiose Mini-Maus-Maske.
Bloed nur das mein struppiger Bart unten und meine Salzwasserhaare oben herausschauen. Damit bleib ich wohl auch weiterhin an er Grenze verdaechtig, ein Traveller zu sein und keine unschuldige Comicfigur. Trotzdem, den Versuch wars wert...

Ja und so sieht das aus, wenn jemand versucht, seine Freude ueber das schoene Wetter hinter einer Mini-Maus-Maske zu verstecken.

Das ist mein Sonnendeck. Hier lieg ich zwischenzeitlich viel herum und lese, denn ich habe einen angenehmen Second-Hand-Buchladen hier in Dahab gefunden, der mich mit Lesestoff versorgt, den ich derzeit verschlinge. Im Hintergrund uebrigens die saudische Kueste.
Ich entschuldige mich ausdruecklich bei jedem Kritiker fuer den verdammt noch eins schiefen Horizont.
Stefano war vom Tauchen nicht so ueberzeugt und versucht daher, dieses Gefuehl von Freiheit auf die Strasse zu uebertragen. Das Bild entstand am Blue Hole, einer natuerlichen Seltsamkeit eines 100 m tief abfallenden, 50 Meter im Durchmesser betragenden Loches im rundherum festen Korallenmaterial. Es gibt auch einen Ausgang aus diesem Loch, der sich in 60 Metern tiefe befindet und es ebenfalls mit dem Ozean verbindet. Irgendein verrrueckter Fritze hat das letztes Jahr ohne Tauchequipment, nicht mal mit Flossen, in unter 3 Minuten mit angehaltener Luft durchtaucht... (wer mehr wissen will findet bei Wikipedia unter "Blue Hole" mehr Infos dazu)

Nachdem wir das Blue Hole von oben betrachtet hatten fuhren wir heim, gemeinsam mit den Kamelen entlang eines typsich ost-sinaischen Sonnenuntergangs: Um fuenf ist sie einfach hinter den Bergen und fertig ist. Ich hab das Bild reingestellt weil ich den Blick auf mein Cockpit ganz nett fand.


Ja und am naechsten Tag waren sie dann fertig beladen und ich werd sie wohl fuer ne ganze Zeit nicht mehr sehen. Unterwegs nach China bis Herbst wuensche ich ihnen alles gute und hoffe, sie bald in Berlin bewirten zu duerfen... Und irgendwann besuch ich sie dann in Lugano! Das wird scheen.

Ich haeng hier immer noch in Dahab rum, lese und warte auf Besuch, den eigentlich sollten sich frueher oder spaeter ein paar Leute hier einfinden.

Ja und sonst fahr ich wohl bald los und werd dann vermutlich lange keinen Blog mehr verfassen, da ich vermutlich durch die Sinai radele, durch Wueste und Landschaft. Ohne Internet. Auch nicht schlecht ;-)

Alles Liebe aus Dahab

Ben

Dienstag, 29. Januar 2008

KM 1182 - Geburtstag bei den Fischen

ICH HABE ES GESCHAFFT! Ich kann jetzt offiziell ein weiteres Hobby in meine Liste aufnehmen. Begruesst meinen neuen Titel: PADI Open Water Diver. Klingt super. Ist es auch, denn... Als total trendiger PADI Open Water Diver habe ich einige neue Eigenschaften ineinander vereinigt. Ich habe eine neue Sprache gelernt, die allerdings ziemlich simpel und Ueberwasser geradezu daemlich klingt. Den wer fragt sich schon alle zwei Minuten gegenseitig, ob er oder sie okay ist? Und warum sollte ich jemandem in freier Wildbahn mitteilen, wie mein Luftdruck ist? Und ob ich ein Problem mit dem Luftdruckausgleich in meinen Ohren habe? Nun, Taucher tun das, ganz zu schweigen von ihrer Angewohnheit, im Lebensraum der Fische geradezu duemlich vor sich hin zu schweben. Fische lachen meines Wissen nach nicht, aber taeten sie es, schallten die Ozeane...
Ich tue dem Tauchen unrecht. Es macht wirklich viel Freude, wenn ich auch mehr erwartet haette. Die Sicht ist eingeschraenkt, mit Hast geht gar nichts und warum ist meine Flasche eigentlich immer viel schneller leer als die von meinem Instructor?

Nun, vielleicht weil ich fliege und nicht tauche. Dort oben sieht man 1 Rundflug. Sieht aus wie ein magersuechtiger Zeppelin kurz vor dem Zerschellen am Erdboden, aber Spass machts...

Das hier machte allerdings weniger Spass. Maske ab, durch den Mund atmen, kein Wasser verschlucken, ganz besonders nicht wenn das in 9m tiefe geuebt wird. Danach Maske wieder auf, ausblasen und durchatmen. Da das ganze fuer mich anfangs durchaus nen Problem darstellte, haben wirs geuebt bis es auch dann kein Problem war, als mein Dive Instructor Hamdy (der die meisten der Bilder hier fuer mich waehrend der 3 Tage meiner Ausbildung dankenswerter Weise schoss) mir die Maske (als Abschlusspruefung) in drei Meter tiefe ohne Vorwarnung von der Nase riss. Die Augen sehen danach etwas ungluecklich nach Dorgenkonsum aus, erklaer das mal einer an der Grenze... Wasser schlucken gehoert dazu. Rotes Meer ist zwar gut gelagert und temperiert, aber leider kein Rotwein.
Ja und dann sind da die Fische. Wenn man sozusagen seine eigenen Problem unter Kontrolle hat, oeffnen sich die Augen fuer die Umwelt. Und da bin ich gluecklich das das Rote Meer kein Rotwein ist, denn Sicht und Artenreichtum finden sich wohl in der Qualitaet auch in keinem Weisswein.. Jaja, ich ueberstrapaziere das mit dem Alkohol langsam.
Was seid denn ihr? Barracudas? Oder lecker? Oder beides? Oder bin ich fuer Euch lecker? Gluecklicherweise war ich mit Hamdy unterwegs und der ist nicht krampfhaft weggeschwommen, folglich wohl ungefaehrlich. Vielleicht eine politsche Demonstration gegen Bushs Klimapolitik, unter der nicht zuletzt das Rote Meer leidet.
Ein Gelbflossen-Schwarz-Bunter-CB-Funk-Antennenfisch, der sich gerade mit dem Goldfisch daneben gestritten hat (es ging um die Aufstellung einer neuen Handyantenne im Goldfischnetz).
Sie schwimmen nun getrennte Wege.
Die violette Wurstglaskoralle im Hintergrund sollte Schiedsrichter sein. Sie hat klaeglich versagt.
Wer findet Walter Sandfisch?
Diese Makrele wollte zur Loveparade of 1998 (ihr wisst schon, "one world - one future" und so) Das Kostuem ist genauso out wie die Seekarte, nach der sie geschwommen ist (wie ihr seht ist sie nie angekommen). Hinterher hat sie mir erzaehlt, das sie fuer 10 Aegyptische Pfund (1,25 Euro) auf Partys Diskokugel spielt. Zwei Freigetraenke Trinkgeld geht in Ordnung, hat Sie gesagt.
Ja und dieses Ding hier ist ein Fisch der Gattung Barbara Streisand - Hai. Tummelt sich auf schwulen Riffpartys (jeden dritten Donnerstag im Monat im "Blue Hole" noerdlich von Dahab) und geht dann maechtig ab. Heute jedoch war sie nicht so gespraechig: Kater ausschwimmen.
"Gruppentherapie fuer Guppis mit Haikontakt". Immer Dienstags und Freitags, 13-14h am Blumenkorallenfelsen. Diese Weicheier bezahlen echt so nen dahergeschwommenen Octopus wegen solcher Kleinigkeiten. Nun gut, die Splittergruppe der "Barbara-Streisand-Hai geschaedigten" kann ich verstehen. Die heulen auch am lautesten.
War mir zu laut, bin ich weitergeschwommen. Dieser Panzerfisch arbeitete fuer eine ozeanweit bekannte Sicherhaitsfirma namens Hai Fidelity. Er pflegt es, unsichtbar zu bleiben (kein Hai-Profile) und musste haeufig fuer von der Aparthaid verfolgte Schwarflossenzackenbarsche Kurierdienste erledigen. Er ist jetzt Rentner. Und hat gehairatet.
Ja und dies Wilde Mischung heisst auch einfach nur "Wilde-Mischung-Fisch" Er wird gerne in Kernkraftwerken zur Kontrolle der Reaktorstaebe angefragt. Aber nach drei Jahren in diesem Dienst hat er sich strahlend zur Ruhe gesetzt und wird nun gerne bei Nachttauchgaengen genutzt.
Ja und das ist halt Nemo. Eingefangen, mitgenommen, aufgegessen, lecker.
" Welcome to my Evil Lair" - Muraene. Frischfischservice (Lieferservice, eingetragen beim Amtsgericht Buxtehude) fuer Taucher mit dem kleinen Hunger zwischendurch.
Ja und so sieht das dann aus wenn jemand versucht, total abenteuermaessig um die Ecke zu tauchen.

Kommen wir zu meinem Geburtstag:

Allen Menschen die mir so lieb zu meinem Geburtstag gratuliert haben moechte ich an dieser Stelle danken, denn dann wird ein solcher Tag auch in der Ferne noch schoener.

Danken moechte ich an dieser Stelle insbesondere auch Angelina und Stefano, die mich gestern Abend zum Essen eingeladen haben (Meeresfruechte;-) und mir heute morgen ein wundervolles Geschenk gemacht haben, aber dazu kommt noch mehr im naechsten Eintrag...

Dank auch an meine Familie, ohne deren Geschenk mein Unterwassererlebnis wohl eher trocken geblieben waere:-)

Ja und wie gehts weiter? Bisserl tauchen, bisserl schlaendern, bisserl Kaffee trinken, bisserl Fruchtsaft schluerfen, denn Dahab ist eigentlich gar nicht so uebel...

Alles Gute

Euer schwebender Ben

Sonntag, 27. Januar 2008

KM 1151 - Dahab Underground

So.... erstmal noch nen Nachtrag von Bildern unserer letzten Sinai-Etappe von Nuweiba nach Dahab! Wueste, Strasse, Berge, Fahrrad, Radreise, Sonne, Aegypten, Sinai, 2008, Ben.
Irgendein Schlagwort vergessen?
Stefano und ich waren ein bisserl neidisch auf die aegyptischen Polizisten und ihre staendigen Verkehrskontrollen mit riesigen Schusswaffen im Holster. Da haben wir kurzerhand beschlossen, selber nen Checkpoint zu machen, aber schon der erste TUI-Reisebus hat uns von der Strasse gekegelt. Entmutigend.
... ja und dann blieb uns schliesslich die Luft weg! Wir gingen Unterwasser. Die Bilder sind allerdings vorgestern entstanden (mit Stefanos unglaublicher Olympus mju 725sw) waehrend Angelina getaucht ist und wir neidisch wie die Geier ueber ihr mit unseren Schnorcheln rumgekreist sind. Allerdingens...
... sind wir eben nicht nur ueber ihr rumgekreist, sondern haben auch den ein oder anderen Sturzflug bis 8m tiefe unternommen...
...und da haben wir sie dann ueberrascht und eiskalt erwischt. Bonjour, Angelina!
So ist das Rote Meer voller Wunder...
... und Clownfische in Koexistenz mit Ihren Anemonen geradezu alltaeglich. wow.
Nur das die bei weitem nicht so bunt sind wie Nemo.
Aber das habe ich mir als kritischer Mensch schon fast gedacht, nur glauben wollt ichs nicht.

Ich habe inzwischen meinen dritten Tauchgang hinter mir und nun macht es unglaublich viel Spass. Abgesehen davon, dass es so viel viel zu bedenken gibt um schlicht und ergreifend sich keine (toedlichen) Verletzungen einzuhandeln, macht es nach dem verdauen dieser Nachricht fast soviel Spass wie Schokolade essen nach 250km Radreise durch die Wueste. Oder so aehnlich.

Morgen gibts zwei weitere Open Water- Tauchgaenge und dann bin ich PADI.

Inschaallah!

Morgen Abend vielleicht mehr.

Alles Gute, Ben

Freitag, 25. Januar 2008

KM 1151 - Was ich hier hab - was ich Dahab.

Das Fruehstueck war mal wieder wundervoll. Am Strand sitzend, ueber die Tagesetappe beratend, verweilten und lachten wir. Mit einem Auge eine Traene vergiessend, da wir Nuweiba nun den Ruecken kehrten und damit dem wundervollen Soft Beach Camp und seinen netten Bewohnern wie Peter erstmal Lebewohl sagten. Mit dem anderen Auge jauchzend ob der Herausforderung der Tagesetappe: 80km nach Dahab wollten wir ueberwinden, dabei durch die trockene Sinai und ueber einen 750m hohen Pass gleiten...
... und so ging es in alter Gewohnheit mal wieder richtig los. Entlang gut ausgebauter Strassen durch die dramatische Landschaft immer weiter aufwaerts, vorbei an Zeichen wie diesen ("Allah ist der Groesste") und...
... diesen: Hoechstgeschwindigkeit 80 kmh mal in ner anderen Nomenklatur. Mein Colnago-Shirt von 1986 stammt uebrigens aus der Garage in der Ahornstr/Berlin-Schoeneberg.
Angelina und Stefano, schnaufend bergauf.
Nachdem man erst 80 fahren durfte soll man nun seine Geschwindigkeit drosseln.
(Was fuer Belanglosigkeiten schreib ich hier eigentlich?)
Sinai... Strasse... Heisser Asphalt... und 25km Abwaerts!
Das Versorgungsfahrzeug ueberholt den Peloton.
Sinai. Indiana Jones muesste irgendwo dahinten gedreht worden sein.
Smoking "Next" kills "Camel". "Roadkill" nennt man sowas in Englisch. Erinnerte mich an ein Poster, das mein Englischlehrer in seinem Buero zu haengen hatte. Es war die Speisekarte des "Roadkill Cafe".
Ja und dann wussten wir auch nicht mehr weiter. Dahab macht uns ueberhaupt nicht an. Nuweiba war so schoen einsam und idyllisch, dabei voller Freude. Hier in Dahab gibts den Tourikitsch den keiner braucht zu ueberhoehten Preisen, dazu "Original Quad-Wuestensafari mit Bedouinen-Dinner" Warum wir hergefahren sind? Erst war nur Angelina davon ueberzeugt, jetzt bin ich es auch: Ich werde tauchen lernen! Denn das Rote Meer ist wunderbar, wie ich heute auf Schnorchelsafari feststellt, immer hinter Angelina und ihrer Instruktorin hinterher, die sich 10m unter mir befanden

Morgen gehts los! Padi Open Water Diver Lektion I... Ob ich mir das an der Uni anrechnen lassen kann, vielleicht als Gelaendepraktikum? Waere dann immerhin ein sinnvolles Seminar dieses Semester...

*blub*

Ben

Mittwoch, 23. Januar 2008

KM 1066 - Fotos + Der Berg Sinai

Edele Roesser vor asiatischer Ware im sonnigen Hafen - Aqaba, Jordanien
Edeles Ross auf Abwegen: Ich traf an der Faehre nach Aegypten einen Brummifahrer aus TBB (Main-Tauber-Kreis) der sich durch den Balkan und die Tuerkei seinen Weg ums Mittelmeer schlaengelt mit einer Langhuber-irgendwas-Einzylindermaschine von (!) 1926!
Mit Beiwagen und 12 PS!
Das unglaubliche: Die Maschine wurde in Spandau produziert.... Man kommt einfach nicht los von diesem Bezirk.
Unsere Heimat am Strand der Sinai in Nuweiba: Das chillige SoftBeachCamp. Das Wetter chillt auch gerade ein bisserl. Heute ist es deutlich besser, ich war sogar baden.
Der Clou auf diesem Bild: Links sitzt Peter aus London, der gerade auf dem Heimweg ist, auch per Fahrrad. Er ist vor zwei Jahren in Japan losgefahren und (fast;-) daheim... Seinem iPod sei dank sind wir musikalisch seit Tagen im Camp bestens versorgt, mit DJShadow und sonstigen, elektronisch-jazzigenen Feinheiten.

Ein Eingeborener beim Volkstanz vor seiner Huette.

Auf dem Weg ins Innere...

... der Sinai, hier die Kirche von St.Kathrin, aber...





... viel besser hat mir doch der Berg Mose (2250m) gefallen. Hier hat vor mehreren tausend Jahren ein jugendlicher Typ mittleren Alters 15 Nachrichten vom Himmel erhalten. Auf dem langen Abstieg hat er leider fuenf vergessen.

Eingeborene beim Begaffen meiner Digitalkamera. Von links nach rechts: Stefano, Angelina, Celina (Freundin von Angelina, gerade zu besuch) und ich.
Das war die Sinai in Bildern. Bald mehr davon.
Alles Gute
Ben

Montag, 21. Januar 2008

KM 1044 - Endlich Fahrrad fahren! Nuweiba

Stellt Euch vor ich liege in der Sonne.

Nee, stimmt nicht. Aber es ist angenehm hier auf der Sinai. Nachdem ich also mit kleinem Kater Beirut verlassen hatte und in Damaskus ankam, hab ich meinen Plan wahr gemacht und bin mit dem Bus schnellstmoeglich durch das kalte Jordanien zum Roten Meer gefahren. Den ganzen Tag hats gedauert und die verraeucherte Busfahrt im Mercedes-Bus von 1972 mit kaputter Klimaanlage war nicht angenehm - de facto die mieseste Busfahrt ueberhaupt - doch als ich abends in Aqaba ankam und mich aus meiner Jacke pellte wusste ich was geschehen war: Ich hatte den Kaelteguertel des Hochlandes verlassen und stand am Meer, in der Wueste, und hier isses einfach immer warm. Keine 10km trennten mich von der saudischen Grenze, aber warum dahin wenn es in Aegypten Bier gibt?

... und dann traf ich sie wieder: Mein schweizerisch-franzoesisches Lieblingspaerchen Angelina und Stefano ( http:\\sionroulait.blogs.marieclaire.fr) mit denen ich vorher schon 800km oder so in der Tuerkei und in Syrien zuruecklegte.

Wir uebernachteten bei einem franzoesischen Studenten, gefunden ueber www.couchsurfing.com , der hier mit einer kleinen Organisation versucht, den Golf von Aqaba vor weiterer Bebauung als grossem Tiefwasserhafen zu schuetzen um die unglaublichen Korallenriffe im Golf zu bewahren. David gegen Goliath, denn immerhin ist nicht nur Jordanien mit seinen 25km Kueste sondern auch Israel mit seinen 10km Kueste zum Golf hin sehr an ungehindertem Warenimport aus Asien interessiert, es scheint unausweichlich.

Am Morgen dann auf zur "Express"-Faehre nach Aegypten! Nuweiba war das Ziel. Wir kamen um 12h an, die Faehre sollte um 13h fahren, um 14h sollten wir in Aegypten sein, dann haetten wir noch drei Stunden Sonne gehabt um unser Ziel zu finden.

Aber: 14.30h Abfahrt, 16h in Nuweiba, 17.30h durften wir das Schiff verlassen, kurz nach halb sieben waren wir am Ziel, mitten im dunkeln druch den Abend tapernd fanden wir es doch noch, 10km vor Hafen: Das Soft Beach Camp (www.softbeachcamp.com)!

Und der Kahn hat 60 Dollar gekostet! Halsabschneider!

Kleine Strohhuetten fuer wenig Geld, lecker Fisch fuer wenig Geld und ein Bier serviert zu bekommen waehrend die Kueste vom absolut antialkoholischen Saudi Arabien gegenueber langsam von Lichtern erhellt wurde schienen dann doch unbeschreiblich schoen nach den harten Tagen zuvor. Ich fuehl mich angekommen.

Und es ist passabel warm. Tagsueber reicht nen Pulli, wenn die Sonne rauskommt auch ein Shirt, aber derzeit ist es eher wolkig. Komisch. Wolken sind hier sehr selten, morgen soll es sogar Regen geben. Das waere dann das erste mal seit drei Jahren der Fall. Ich werde daruber berichten.

Leider laesst die Bandbreite keine Fotos zu, aber unter www.softbeachcamp.com sind ein paar nette Bilder.

Alles Gute und auf bald

Ben

Freitag, 18. Januar 2008

KM 1015 - Beirut, Beirut!



Beirut ist toll. Es riecht nach Mittelmeer, die Wogen rollen in ihrem unfehlbaren tuerkis sanft gegen die Hafenmauern der edelen Flaniermeile Corniche und ich wohne hier im OIB kostenfrei waehrend meines heute schon wieder zu Ende gehenden Kurzbesuchs in dieser unglaublichen Stadt voller Glanz, Elend, religioeser Gewalt, Sonnenschein, modernen Bankhochausern und Schuetzenpanzern an jeder Ecke. Ein morbider Charme. Sehr anregende Stimmung. Ein unglaublicher Mikrokosmos vollgestopft mit Fluechtlingslagern und Sports Utility Vehicles, Porsches und Mercedes neuester Bauart. Clubs in denen der neueste Sound mit teueren Flaschen des besten Moet heruntergespuelt wird neben zerschossenen verarmten Nachbarschaften sind wohl die sichersten Zeichen fuer Paralellwelten.
"Wenn Du durch die Viertel laeufst, schau Dir die Gesichter auf den Plakaten an und Du weisst wer hier die Hosen an hat." So halten nicht nur meine Gastgeber und Kommolitonen Moritz und Bjoern die Stadteile nach ihrer konfessionellen Praegung auseinander. Schiit? Sunnit? Maronit? Palaestinenser? Hariri? Berri? Nasrallah? Jemayel? Viele Namen gilt es auseinader zu halten. Die politische Landschaft im 4-Millionen-Zwergstaat ist unuebersichtlicher als irgendwo sonst.






Trotzdem fuehle ich mich seltsamerweise in keiner Weise unsicher, was wohl auch mit der Parallelwelt des OIB zu tun hat, das in keinem der Kriege einen Schuss abbekommen hat, so scheint es. Die Bibliothek mit ihren ueber 100.000 Baenden hat bisher alles schadlos ueberlebt, die Milizen haben darauf aufgepasst und heute ist die kleine Gated Community des OIB (nach der letzten Evakuierung im Junikrieg 2006) ein arbeitsamer Ort fuer deutsche Wissenschaftler im Nahen Osten. Ein schoener Bau mit Gaestezimmern, zentral gelegen und doch ruhig und mit einem einladenenden Garten ausgestattet. Ich mag deutsche Einrichtungen in Uebersee: Nicht so im Zentrum des Interesses wie die US- und andere Einrichtungen und daher nicht so verkrampft. Deutschland ist generell beliebt in Nahost, auch wenn das leider nicht selten auf die dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte zurueckzufuehren ist...

Nun noch ein zwei Bilder und fertig iss fuer heute:



Typische Beirut-Szene: Ueber dem Beachclub der American University of Beirut faedelt sich ein landender Jet in die Einflugschneise ein waehrend im Beachclub ein Moslem, nur mit Handtuch bekleidet und braungebrannt, sein Gebet verrichtet. (Leider hab ich hier nicht die Moeglichkeit, das Bild zu drehen.)



Die Tenniscourts der American University: Im Zentrum der Stadt gelegen nimmt die Uni ein riesiges Areal ein, gehoert in dieser Stadt in dieser Lage wohl zu den angenehmsten Universitaetscampi (campussen wohl eher nicht, wie lautet der korrekte Plural?) weit und breit.



Ich begebe mich nun wieder in Richtung Damaskus und Morgen, wie angekuendigt, schnellstmoeglich durch Jordanien nach Aqaba um Stefano und Angelina wiederzutreffen.