Samstag, 9. Februar 2008

KM 1312 - Planaenderung: The Final Countdown

Es kam alles anders als geplant. Ich blickte auf die Karte, wollte Angelina und Stefano ins Nildelta folgen. Es sah so schoen aus. Ab nach Sharm el Sheikh, mit der Faehre nach Hurghada, dann weiter durch die Berge und runter zum Nil. Doch fangen wir in Dahab an.
Es begab sich also, das ploetzlich fuenf Radreisende in Dahab aufeinander trafen. Links Andreas, daneben Peter und Ni (die nicht radelt), daneben Marcel und Andrea.
Und als der Abend kam, bevor ich weiter wollte, da machten wir uns zum Lieblings-Seafood-Restaurant auf und schauten uns das Eisbett an, auf dem die Fische lagen.
Es wurde ein Abend mit viel Fisch und Reis und Tahine (Sesamsamencreme), Salat und viel Freude.
Passend zum Roten Meer probierte ich den vorzueglichen Red Snapper, gegrillt und goettlich.
... und bevor der Fisch verdaut war, ging es auf. Pruefenden Blickes bekam Rossi kraeftig Mut zugesprochen und wir schwebten los, Rossi war unbaendig und ging mir mehrfach fast durch.

Die Etappe fuehrte ein weiters Mal durch die trockene Sinai, doch meine Navigationswerkzeuge brachten mich souveraen in eine angenehme Vor-Sonneuntergangsposition in Sharm. Nach gut 100km und 750 Hoehenmetern.
Immer wieder Siani: Trocken, schoen, klar, bergig.

Und jetzt kommt der grosse Sprung. Ich erreichte also Sharm. Die Namensverwandtschaft mit "Charme" ist frappierend, doch das Gegenteil ist der Fall. Es ist die scheusslichste Pauschalhochburg die ich je gesehen habe. Eine einzige Unterkunft unter 10 Euro sollte es geben (bedenke: Dahab=3 Euro!), die Jugendherberge, die ich nach geschlagenen zwei Stunden fand (es waer wohl schneller gegangen, haette ich die passende Vokabel in Arabisch 3 gelernt...) war ausgebucht mit froehlich tanzenden aegyptischen Jugendgruppen.
Ich fragte mich, was ich eigentlich hier sollte, hatte ich doch eigentlich geplant, vorher in der Wueste zu campen. Doch wie beschrieben lief es mir so gut aus der Huefte, dass ich schon am fruehen Nachmittag in Sharm war.
Und die Wueste war nun weit, die Dunkelheit aber schon da. Also was?
Ich vergass: Die Faehre nach Hurghada hab ich kurzfristig storniert, da ich von Andraes erfuhr, das mein Fahrrad fuer 90 Minuten Faherfahrt mit 20 Euro zu buche schlagen sollte. Darauf konnt ich verzichten und hab mich drauf eingestellt, um den Golf von Suez mit dem Bus herumzufahren und dadurch ungefaehr 30 Euro zu sparen.
Also was in Sharm? Inzwischen spaet Abends.
Ich hab den Bus genommen, der einzige der noch nen Platz hatte. Kairo. Ich zehn, Fahrrad sechs Euro. Nachtbus nqach Kairo. Sieben Stunden spaeter, mit 100km in den Knochen und 24 Stunden wach, suchte ich in Kairo ein Zimmer, morgens um sechs. Die ersten sechs Hotels (ich scherze nicht) waren voll. Jedesmal mit Rossi und dem ganzen Zeug in den Fahrstuhl (wenn einer da war), dann 7 Stockwerke hoch, oben erfahren das nix frei ist (und ausserdem sauteuer), Zeug wieder in den Fahrstuhl, runter, weiter. Ein aelterer Herr, seines Zeichens Touristpoliceofficer und Nachtwaechter der Quartiers, stellte sich also gute Seele raus und suchte mit mir weiter, bis wir schliesslich nach Stunden was fanden. (Seutdem hab ich in 3 Naechten dreimal das Hotel gewechselt weil es immer ne Buchung fuer das Zimmer fuer den naechsten Tag gab.)
Jetzt ist frieden eingekehrt. Ich bin im Dahab Hostel (www.dahabhostel.com). Haett ich doch frueher auf meine lieben Freunde in Berlin und Hamburg gehoert und waer gleich dahin ;-)
So laufe ich nun lange durch Kairo, hier ueber den Nil (was sonst?) und geniesse die guten Falafel, die mich wenigstens fuer Minutenbruchteile den Smog in meiner Lunge vergessen lassen.
Kommen wir zum Kairoer Kuriositaetenkabinett (meinem bisherigen, persoenlichen).
Parfuemshop irgendwo in Kairo. Muhammad Ali war auch schon da, mehrfach.
Damit waer sein Geheimnis wohl gelueftet: Furchtbare Parfuems aus Kairo auflegen und der Gegner kippt von selbst aus den Latschen. Todsicher.
Rossi hat sich gut betragen und durfte daher in meinem vorletzten Domizil, dem runtergekommenen Suisse Hotel (unterm Dahab) auf dem Bett schlafen, waehrend ich mich auf die (!) strohige Matratze legte.
Man beachte: Vor Freude reflektiert Rossi in leuchtenden Farben.
Und dann gabs endlich wieder Auslauf. Heute morgen gings ein Stockwerk hoeher, ins Dahab Hostel und mein Puls fing endlich wieder an, normal zu schlagen.
Ja und dann kam das Ereignis des Tages. Ein brennendes Taxi (keiner kam koerperlich zu Schaden). Ich gebe zu, ich fands spannender als Tutenchamun ihm seine Goldmaske, die ich mir im Aegyptischen Museum (der roetlich-braune Bau im Hintergrund) mit dreitausend Hollaendern, 725 Spaniern, 1245 Deutschen und ungefaehr dreimillionen Japanern + einer beliebigen Zahl an englischen Muttersprachlern geteilt duch die Anzahl an aegytischen Guides minus den 25000 Wachleuten und Putkraeften teilen durfte. Ich vergass die Deutschen Aegyptlogen, die gerade ne ganze Austellung in Holzkisten verfrachtete.
Und die diversen Russen, Suedkoreaner. Tschuldigung das ich die Nationalitaeten nicht genderkorrekt aufgefuehrt habe.
Mein Museumbesuch war folglich eher davon gepraegt, das ich die mich umgebenden Menschen beobachtete als die (wunderbaren) Artefakte des Museums.
In solchen Momenten wuensch ich mir eine Zeitmaschine, mit der ich mir die Sachen im Originalzustand am Originalschauplatz und gan allein anschauen kann. Schoen waers.
Vertraeumt verlies ich das Museum. Ich blickte auf, den Sonnenstand zu pruefen und dann das. Ich hatte mich zwar noch nie gefragt, wohin die Power Rangers nach ihrer Absetzung im Fernsehen in den Neunzigern gefluechtet sein koennten und was sie so treiben. Ich hab es mich nicht gefragt, und doch hatte ich ploetzlich die Antwort und war schockiert ob dieses tiefen Falls.
Sie verhoekern ihre Superkraefte fuer solch menschliches Gehabe wie den Transport von Waren und Guetern? Die Neunziger sind auch nicht mehr das was sie mal waren, seufzte ich und grinste vor mich hin wahrens ich mir vorstellte, wie sie Falafel und Shawarma zu hungrigen Aegyptern nach Hause fliegen.
Spaeter hatte ich dann einen anderen Verdacht. Vielleicht ist das Gewerbe schon viel aelter als ich dachte. Es kann einfach nicht sein, aber waere es moeglich, das die Power Rangers die Pyramiden gebaut haben und schon immer an Ort und Stelle ein Schwertransportunternehmen betreiben? Interessantes Thema fuer eine Diplomarbeit.
Ich fuege mich, die Mehrheit ist erdrueckend. WAS DENKT IHR WOHL WAS DAHINTEN LIEGT UND WAS DER MANN DA DAMIT ANSTELLEN WIRD, HE? NA? NAAAAA? JAJA, der schneidert mit dem rosapinklilanen Zeug dahinten nen verfluchten Anzug fuer mich ;-)

Denn inzwischen hat sich der Matze (DANKE!) bei mir gemeldet und mir mitgeteilt, wo ich das Zeugs finden kann (fuer alle anderen suchenden: Zwischen Attaba und Al Azhar, direkt an der Sharia alAzhar gibts Stoff und die wissen auch wo die Schneider sind)
Der Preis ist doch nen bisserl hoeher als gedacht, aber das passt schon ins Budget, schliesslich hab ichs ja so gewollt.

Soooo. Und weiter? Nix. Naechste Woche ists vorbei. Ich flieg frueher heim, mir ist ein bisserl die Lust vergangen, ich muss wegen nen paar unaufschiebbaren Dingen nach Berlin und ueberhaupt geht mir das sommerliche hier inzwischen echt auf den Zeiger.

Nee, das letzte nicht aber der Rest stimmt.
Was, es sind 10 Grad in Berlin? Und die Sonne scheint? Nee, oder?

Unspektakulaeres Ende, gell? Stimmt nicht, der Anzug kommt ja noch.
Sozusagen das Finale.

Alles Gute

Ben


(Genau wie das Finale vom Nations Cup morgen: Aegypten vs. Kamerun!
Kairo wird beben oder untergehen. Ich freu mich drauf!)

Freitag, 8. Februar 2008

KM 1312 - Ploetzlich Kairo

Bin in Kairo. Geht gut. Bald mehr.

Gruesse

Ben

Dienstag, 5. Februar 2008

KM 1205 - Morgen: LOS!

Mein Sonnendeck. Meine Leseinsel. Turkish-Coffee-schluerf-Paradies. Mangolassi-Oase. Ich werde sie vermissen, denn es geht weiter. Morgen schon, in aller Fruehe, mit der aufgehenden Sonne Richtung Berge, diesmal mit Muskelkraft Richtung St. Katherines und dann ueber die Berge zur Westseite der Sinai. Viel steht bevor. Doch erstmal noch ein kleiner Rundblick auf meinen Entspannungszustand.
Nein. Leider nicht ich. 50 Euro Basispreis fuer die Miete waren mir zuviel. Lieber habe ich eine ganze Weile zugeschaut und mich drauf gefreut, vielleicht mal mit Familie wiederzukommen und 2 Wochen volle Kanne zu surfen. Der Spot ist wirklich gut und der Wind konstant.

Rossi will mehr... Ich weiss, deswegen laeuft es mir schon fast weg und ich muss es von Zeit zu Zeit einfangen. Morgen kriegts kraeftig die Sporen, dann werden wir mal sehen wie hart der Stahlrahmen wirklich ist. Mit dem Essen und dem Wasser (10kg extra) fuer die Wuesten-Berg-Etappe nach St. Kathrines sind 2 Tage bei 2000 Hoehenmeteren auf 130km Distanz angesetzt, ohne viel Moeglichkeit, zwischendurch aufzutanken. Ich freu mich riesig aufs Solocamping in der Wueste unter diesem unglaublichen Sternenhimmel. Kalt wirds werden, Wuestenwinter in der Hoehe ist eine frierende Angelegenheit.


Dahab zum weglaufen. Stahlbetonmonster-Bauruine ohne Sinn und Verstand. Aber interessant im Abendlicht, immerhin.



Seltsames Verkehrsschild. "Hier nur mit Super8 filmen" ? Oder etwa ultrafundamentalistisches "Kino verboten" - Schild? Ebenso wie die Bauruine schoen anzuschauen im Abendlicht.



Ein guter Grund endlich wegzufahren: Ich bin bei John Grisham angelangt und das muss endlich aufhoeren. Einfach nur schlimm dieser Amerikaner.

Was sonst?

Hier sind derzeit ne ganze Menge Radfahrer angelangt! Neben Andreas aus der Schweiz, der Tante und Onkel (www.joergersvelotour.ch) eine Weile begleitet hat, ist inzwischen Peter (www.gostelow.crazyguyonabike.com) mit Ni und ausserdem ein schweizer Paerchen eingetroffen. Die beiden sind aufgrund dessen, dass sie seit juengstem in froher Erwartung sind, nicht laenger nach Madagaskar sondern nun nach Suedostastien unterwegs sind, um dem Nachwuchs einen schoenen Lebenseinstieg gewaehleisten zu koennen.

Das nenn ich mal ne Planaenderung!

Wenn sich mein Plan nicht aendert und es in St. Katherine Internet hat, werd ich wohl uebermorgen wieder was vonmir hoeren lassen. Wenn nicht dann bitte nicht gleich Soeldner beauftragen um mich suchen zu lassen, gell?

Alles Gute

Ben