Beirut ist toll. Es riecht nach Mittelmeer, die Wogen rollen in ihrem unfehlbaren tuerkis sanft gegen die Hafenmauern der edelen Flaniermeile Corniche und ich wohne hier im OIB kostenfrei waehrend meines heute schon wieder zu Ende gehenden Kurzbesuchs in dieser unglaublichen Stadt voller Glanz, Elend, religioeser Gewalt, Sonnenschein, modernen Bankhochausern und Schuetzenpanzern an jeder Ecke. Ein morbider Charme. Sehr anregende Stimmung. Ein unglaublicher Mikrokosmos vollgestopft mit Fluechtlingslagern und Sports Utility Vehicles, Porsches und Mercedes neuester Bauart. Clubs in denen der neueste Sound mit teueren Flaschen des besten Moet heruntergespuelt wird neben zerschossenen verarmten Nachbarschaften sind wohl die sichersten Zeichen fuer Paralellwelten.
"Wenn Du durch die Viertel laeufst, schau Dir die Gesichter auf den Plakaten an und Du weisst wer hier die Hosen an hat." So halten nicht nur meine Gastgeber und Kommolitonen Moritz und Bjoern die Stadteile nach ihrer konfessionellen Praegung auseinander. Schiit? Sunnit? Maronit? Palaestinenser? Hariri? Berri? Nasrallah? Jemayel? Viele Namen gilt es auseinader zu halten. Die politische Landschaft im 4-Millionen-Zwergstaat ist unuebersichtlicher als irgendwo sonst.
Trotzdem fuehle ich mich seltsamerweise in keiner Weise unsicher, was wohl auch mit der Parallelwelt des OIB zu tun hat, das in keinem der Kriege einen Schuss abbekommen hat, so scheint es. Die Bibliothek mit ihren ueber 100.000 Baenden hat bisher alles schadlos ueberlebt, die Milizen haben darauf aufgepasst und heute ist die kleine Gated Community des OIB (nach der letzten Evakuierung im Junikrieg 2006) ein arbeitsamer Ort fuer deutsche Wissenschaftler im Nahen Osten. Ein schoener Bau mit Gaestezimmern, zentral gelegen und doch ruhig und mit einem einladenenden Garten ausgestattet. Ich mag deutsche Einrichtungen in Uebersee: Nicht so im Zentrum des Interesses wie die US- und andere Einrichtungen und daher nicht so verkrampft. Deutschland ist generell beliebt in Nahost, auch wenn das leider nicht selten auf die dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte zurueckzufuehren ist...
Nun noch ein zwei Bilder und fertig iss fuer heute:
Typische Beirut-Szene: Ueber dem Beachclub der American University of Beirut faedelt sich ein landender Jet in die Einflugschneise ein waehrend im Beachclub ein Moslem, nur mit Handtuch bekleidet und braungebrannt, sein Gebet verrichtet. (Leider hab ich hier nicht die Moeglichkeit, das Bild zu drehen.)
Die Tenniscourts der American University: Im Zentrum der Stadt gelegen nimmt die Uni ein riesiges Areal ein, gehoert in dieser Stadt in dieser Lage wohl zu den angenehmsten Universitaetscampi (campussen wohl eher nicht, wie lautet der korrekte Plural?) weit und breit.
Ich begebe mich nun wieder in Richtung Damaskus und Morgen, wie angekuendigt, schnellstmoeglich durch Jordanien nach Aqaba um Stefano und Angelina wiederzutreffen.
1 Kommentar:
campari
har har har
Kommentar veröffentlichen